Ein•klang

Einflüsse - Volksmusik

Sonntag 24.01.2016 18:00
Einführung 17:30 mit Peter Tonger

PROGRAMM

Leoš Janáček Dumka für Violine und Klavier
Ralph Vaughan Williams Six Studies in English Folk Song für Violoncello und Klavier
Béla Bartók Contrasts für Violine, Klarinette und Klavier
Antonín Dvořák Trio Nr. 4 e-Moll für Violine, Violoncello und Klavier op. 90

Oren Shevlin

Über die Bedeutung des Volksliedes für seine Musik hat sich Janácek einmal in einer Rede geäußert: „Das Volkslied, ich lebe in ihm von klein auf. Im Volkslied ist der ganze Mensch, der Leib, die Seele, die Umgebung, alles, alles. Wer aus dem Volkslied hervorwächst, wächst zu einem ganzen Menschen.…“ Ein besonderer Typus des slawischen Volksliedes ist die Dumka, die in der Kunstmusik besonders für introvertierte, in sich versunkene Kompositionen verwendet wird. In diesem balladischen Charakter gebraucht sie auch Janácek in seinem Frühwerk aus dem Jahre 1880 „Dumka“ für Violine und Klavier.

Um 1903 beschäftigte sich auch Ralph Vaughan Williams intensiv mit dem Sammeln und Veröffentlichen von englischen Volksliedern. Diese Leidenschaft hat vielfach Niederschlag in seinen Kompositionen gefunden. Bei uns am bekanntesten geworden ist seine „Fantasia on Greensleeves“. Bis auf das letzte Lied der „Six Studies in English Folk Song“ haben alle einen etwas melancholischen Charakter.

Schon bevor Bartók 1940 endgültig vor dem faschistischen Horthy-Regime in Ungarn floh und in die USA auswanderte, hatten Freunde versucht, ihm das Terrain dort durch Aufträge zu bereiten. Zu diesen Freunden gehörte der ungarische Geiger Joseph Szigeti, der sich mehrfach für Bartók einsetzte. Als Bartók dann von dem Jazzklarinettisten Benny Goodman einen Kammermusikauftrag erhielt, widmete er die daraufhin entstandenen „Kontraste“ für Klarinette, Violine und Klavier beiden Künstlern, Goodman und Szigeti. Nach einer Teilaufführung 1939 mit diesen beiden und dem ungarischen Pianisten Endre Petri, fand die erste vollständige Aufführung 1940 wiederum mit Goodman und Szigeti und Bartók selbst am Klavier statt. Die Musik des Werkes zeigt sich besonders stark von der ungarischen Bauernmusik beeinflusst.

Wenden wir uns wieder der slawischen Volksmusik zu. Fügt man einer Dumka eine zweite hinzu, dann heißt es im Plural Dumky. Dvorák hat in seinem beliebtesten Klaviertrio nicht nur zwei Dumky aneinander gefügt sondern gleich sechs, wobei die ersten drei gemeinsam den ersten Satz dieses Kammermusikwerkes bilden, das zwar der Besetzung nach ein Klaviertrio ist aber mangels sonatensatzformaler Prinzipien wiederum nicht. Das Merkmal des aus der Ukraine stammenden Tanzes ist hier der zweimalige Wechsel zwischen langsamschwermütigen und schnell-ausgelassenen Charakteren.

BESETZUNG: Thorsten Johanns Klarinette • Tianwa Yang Violine • Oren Shevlin Violoncello • Nicholas Rimmer Klavier